Verband Gro�e M�nsterl�nder

Geschichte

Der Große Münsterländer seine Geschichte - seine Herkunft und seine Heimat

Der Große Münsterländer (GM) zählt zu den langhaarigen deutschen Vorstehhunden. Nach Ludwig Beckmann "Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes" (1894) ist die Abstammung unserer langhaarigen deutschen Vorstehhunde auf die seidenhaarigen Hunde zurückzuführen, die bereits im Mittelalter aus Spanien nach Frankreich, England und Deutschland eingeführt wurden. Diese Hunde fanden zunächst vorwiegend als Beiz-, Apportier-, Stöber- und Wasserhunde Verwendung. Damals wurden schon die Wachtelhunde, die unmittelbaren Vorfahren unserer langhaarigen Vorstehhunde bei der Jagd mit dem Netz bzw. mit dem Decknetz auf Hühner verwendet. Diese Hunde drückten in Vorstehmanier die Hühner gegen die Netze. Diese vorstehenden oder vorliegenden Wachtelhunde entwickelten sich zu Vorstehhunden, wie sie bei Einführung der Feuerwaffen zu den Helfern der Jäger benötigt wurden.

Oberförster Jester unterscheidet in seinem 1793 erschienenen Werk "Die kleine Jagd" bei den Hühnerhunden "einfarbige und gefleckte Rassen". Nach Jester sind die ersteren entweder weiß, schwarz oder braun, die anderen haben entweder nur hin und wieder einzelne große Flecken oder sie sind braun, auch wohl schwarz getigert.
Auch andere Autoren, u.a. Hartig (1811) "Lehrbuch für Jäger"; Friedrich Oswald (1883) "Der Vorstehhund"; Freiherr von Thüngen (1889) "Der Jagdhund" sowie der schon erwähnte berühmte Kynologe Ludwig Beckmann in seinem Werk von 1884 und nicht zuletzt Karl Brandt (1909) "Der langhaarige deutsche Vorstehhund" erwähnen bei den langhaarigen deutschen Vorstehhunden neben der braunen, braun-weißen und eisengrauen auch die schwarze und schwarz-weiße Farbe!

Amsel v. Bramgau
Amsel v. Bramgau
1. Vorm Walde HZP (1925)
1. Vorm Walde HZP (1925)

1927 schrieb Edmund Läns: "Zu Anfang der Zucht (gemeint ist der Kl. Mü.) war noch eine gräßere Anzahl von Arbeitshunden vorhanden, mit denen eine Weiterzucht erfolgreich durchzuführen gewesen wäre, so die schwarzweißen Borkener Heidewachtel, die später zur Schaffung der großen Münsterländer Schwarzschimmel herangezogen wurden und sich prächtig bewährt haben ..."

Im Jahre 1919 gründeten Anhänger dieser gebrauchstüchtigen schwarz-weißen Langhaar in Haltern im Münsterland den "Verein für die Reinzucht des langhaarigen großen schwarz-weißen Münsterländer Vorstehhundes". Mit der Vereinsgründung konnte dieser alte deutsche Langhaarschlag vor dem Aussterben bewahrt werden! Zunächst versuchte man, die noch vorhandenen Reste schwarz-weißer Langhaar zu sammeln und in einer "Urliste" zu erfassen um mit ihnen rein weiter zu züchten.

Camillo, Cunni und Cilly
Camillo, Cunni und Cilly
Winterjagt
Winterjagt

Leider fand die Farbe schwarz bei der Festlegung des Rassestandards anlässlich der Hundeausstellung in Hannover im Jahre 1879 keine Berücksichtigung durch die Delegierten- Commission (DC) obwohl wie dargelegt, diese Farbe schon immer bei den deutschen Hunden, ob kurz-  oder langhaarig, vorkam. Noch in der "Illustrierten Jagdzeitung" Leipzig 1875/76 war in jeder Ausgabe die Hälfte der angebotenen Welpen als schwarz und schwarz-weiß angezeigt. Besonders im Münsterland führten die jagenden Gutsbesitzer und Bauern Hühnerhunde aller Farben und Schläge. Bei der Zucht kam es ihnen nur auf die Leistung unabhängig von Haar- und Farben an. Lehrer A.E. Westmark, Recklinghausen einer der Gründer des Vereins, berichtet über seinen Schriftwechsel mit Münsterländer Jägern, welche die Verwendung des langhaarigen schwarz-weißen Vorstehhunde von alters her bekundeten. Die Familie vorm Walde in Essen-Werden führte schon damals vor über hundert Jahren schwarz-weiße Langhaar. Westmark wurde von schwarz- weißen Langhaar in Haltern, Horstmar, Lünen berichtet; auch im Sauerland wurden Schwarz-Weiße berichtet.

Die Entwicklung der Rasse ist eng mit den Geschehen in der Landesgruppe Westfalen West verbunden. Deshalb soll an dieser Stelle ausführlich auf den Werdegang des schwarz-weißen Vorstehhundes eingegangen werden.

Edmund Löns schreibt in seinem Buch "Heidewachtel, Kleiner Münsterländer Vorstehhund und Spion (1922): In der Gegend von Borken steht heute noch ein Stamm von schwarz-weißen und schimmelfarbigen Heidewachteln, die sorgfältig blutsrein gehalten worden sind. Aus einer Paarung mit großem Langhaar sind nach meinem Dafürhalten dann die großen schwarz-weißen Münsterländer entstanden. Und weiter schreibt er: "Aus den Zeugnissen, die alle anzuführen mir der Raum völlig mangelt, geht hervor, dass immer in Burgsteinfurt und Umgegend sich zwei völlig gleiche, nur durch ihre Größe sich unterscheidende Stämme vorhanden waren und auch Schwarzschimmel vorkamen, die man ihrer Herkunft nach als die "Bentheimer Hunde" bezeichnete.

Edmund Löns “Heidewachtel"
Edmund Löns “Heidewachtel"
1.Spezialschau 16.10.1921
1.Spezialschau 16.10.1921

Dazu fand im Jahre 1921 wiederum in Haltern eine erste Spezialschau statt, zu der 23 Hunde gemeldet waren. Die Hunde kamen aus den Gegenden Essen,  Dorsten, Borken, Coesfeld, Haltern und Recklinghausen - allesamt also aus dem Münsterland! Bester Hund war Hertha v. Marbeck Url.48, gezüchtet von Lammers, Marbeck bei Borken. Sparkassendirektor Lewing aus Haltern prüfte die Abstammungen der vorgestellten Hunde, trug alle, denen schwarz-weiße Eltern nachzuweisen waren in eine Urliste ein. Erster Vorsitzender des neu gegründeten Vereins wurde Fabrikant H. Nagel, Enger.

Schriftführer wurde der Lehrer A.E. Westmark aus Recklinghausen.
Im Jahr darauf am 8.4.1922 fand in Harle bei Coesfeld die erste Jugendprüfung statt und im gleichen Jahr am 29.2.1922 beteiligten 21 GM an einer Schau in Westfalens Hauptstadt  Münster. An diesem Tage wurde der Große Münsterländer von der Delegierten- Commission als Rasse anerkannt! Im gleichen Jahr fand im Münsterland eine "Feldjagdprüfung" statt. Weitere Jugendprüfungen folgten 1923 in Havixbeck bei Münster und eine Feldjagdprüfung in Metelen und 1924 in Harle bei Münster und eine Vollgebrauchsprüfung  wiederum bei Münster. An der Ausstellung am 26.6.1924 in Münster nahmen 21 GM teil. Die erste vorm Walde - Zuchtprüfung wurde 1925 an zwei Tagen bei Oer-Erkenschwick im Kreis Recklinghausen durchgeführt.  Auch in den folgenden Jahren waren die Schwarz-Weißen vornehmlich im Münsterland und im übrigen Westfalen aktiv. Leider wurde die erfolgreiche Arbeit des jungen Vereins jäh unerbrochen durch die von den Machthabern des Dritten Reiches befohlende Auflösung der Delegierten- Commission und die Bildung von sogenannten Fachschaften. Der GM wurde jetzt von der Fachschaft DL in einer gesonderten "Zuchtgruppe" betreut. Obmann wurde Ernst Ruschen in Essen.

Um die Eigenständigkeit der GM zu betonen, wurde dennoch im Jahre 1937 die Zuchtgruppe als Fachschaft GM in das Vereinsregister beim Amtsgericht Essen eingetragen. Während des zwangsweisen Zusammenschlusses beteiligten sich unsere Schwarz-Weißen weiterhin erfolgreich an den Prüfungen.

Nach dem 2. Weltkrieg trennte sich die Zuchtgruppe von DL und nahm wieder ihre Vereinstätigkeit auf. Schon 1946 organisierte die Zuchtgruppe eine VGP in Essen als einer von insgesamt drei Vereinen in Deutschland.